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Seelische Gesundheit

 

Es ist immer möglich, aktiv etwas für das eigene Wohlbefinden zu tun und die eigene Lebensweise gesund zu gestalten. Manchmal sind es schon kleine Veränderungen, die eine große Wirkung haben. Ein gesunder Lebensstil - was bedeutet das eigentlich und was steckt hinter "seelischer Gesundheit"? 

Hier finden Sie nützliche Alltagstipps und Schritte zur Stärkung der psychischen Gesundheit in der Lebensphase 60+. Die nachfolgenden Impulse und Ideen regen zum Nachdenken, Ausprobieren und zum Austausch an. Finden Sie selbst heraus, was zu Ihnen passt, was Ihnen guttut und Ihnen Freude bereitet. Auf diese Bereiche wird ein genauerer Blick geworfen:

  • Gesunder Lebensstil
  • Soziale Kontakte
  • Geistige Aktivität
  • Über Probleme reden
  • Psychische Belastungen
  • Positive Lebenseinstellung

Möchten Sie die Inhalte lieber als gedruckte Broschüre lesen? Dann können Sie sich die Broschüre "Was tut mir gut? Tipps für die seelische Gesundheit beim Älterwerden"  herunterladen  oder kostenfrei bestellen

 

Gesunder Lebensstil

03.11.2021

Was bedeutet ein "Gesunder Lebensstil"?


Körperlich aktiv bleiben

Bewegung und Sport tun dem Körper und der Seele gut. Sie regen das Herz, den Kreislauf und den Stoffwechsel an. Sportliche Aktivität stärkt die Muskulatur und trainiert den Gleichgewichtssinn. So können Sie Stürzen vorbeugen.

Bewegung fördert auch die psychische Gesundheit. Bei körperlicher Aktivität werden Botenstoffe ausgeschüttet, die das Wohlbefinden steigern. Sport verbessert zudem die geistige Fitness, den Schlaf und die Wahrnehmung. Stress und Angstgefühle können durch Bewegung reduziert werden.

TIPP
Bewegen Sie sich pro Woche rund 2,5 Stunden mit Aktivitäten, die den Puls beschleunigen: Radfahren, Walken, Tanzen, Gartenarbeit oder intensives Putzen. Das entspricht täglich etwas mehr als 20 Minuten. Die Hauptsache ist, es bereitet Ihnen Freude und entspricht Ihren Bedürfnissen und Kräften!

Pausen im Alltag

Eine Balance zwischen Anspannung und Entspannung ist für die Gesundheit wichtig. Pausen sorgen für Ausgleich und es tut gut, sich bewusst Pausen zu gönnen. Falls Sie nachts nicht zu genügend Schlaf kommen, halten Sie mittags ein Nickerchen. Am besten vor 15 Uhr und maximal für 20 Minuten. Überlegen Sie, was Sie entspannt: Regelmäßiger Schlaf, Spaziergänge, Atemübungen, ruhige Musik oder Meditation. Ganz gleich was, Hauptsache es spendet Ihnen Energie.


Ausgewogene Ernährung

Gesunde und vitaminreiche Lebensmittel tun Körper und Seele gut. Ausgewogene Mahlzeiten liefern Energie und Nährstoffe. Essen Sie mit Genuss über den Tag verteilt und bewusst.

Was bedeutet "ausgewogen"?

  • Kohlenhydrate für die Energie
  • Gemüse und Früchte für das Immunsystem
  • Proteine für Muskeln und Knochen
  • hochwertige Fette für Herz und Gehirn

Beim Älterwerden wird der Energiebedarf des Körpers kleiner und das Hunger- und Durstgefühl lässt oft nach. Der Körper braucht aber gleich viele Nährstoffe wie in jüngeren Jahren. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Lebens-mittel mit vielen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinen essen. Wichtig ist es auch, viel zu trinken: rund 1,5 bis 2 Liter zuckerfreie Flüssigkeit pro Tag, am besten Wasser.

TIPP

Sie können sich als Erinnerungshilfe zum Beispiel ein Bild mit einem Krug Wasser oder einer Teetasse aufhängen.


Essen mit Genuss

Für unser Wohlbefinden ist es wichtig, wie wir essen. Gönnen Sie sich etwas Feines und genießen Sie es bewusst – auch wenn Sie nur für sich selbst kochen. Viele Restaurants bieten einen Lieferdienst oder Angebote zum Mitnehmen an. Das bringt Abwechslung auf Ihren Esstisch!
Ein gemeinsames Essen mit der Familie oder mit Freunden macht besonders viel Freude. Laden Sie Besuch ein und nehmen Sie Einladungen an. Dabei braucht es kein aufwändig zubereitetes Menü – es geht vielmehr um das gemütliche Beisammensein. Vielleicht mögen Sie auch gemeinsam mit Bekannten einen regelmäßig stattfindenden Mittagstisch organisieren und sich gegenseitig reihum einladen.

Soziale Kontakte

03.11.2021

Wer bildet mein soziales Umfeld?


Gemeinschaft

Beziehungen bereichern unser Leben. Familie, Freund/innen, Bekannte und Nachbarn bilden ein Netzwerk, das uns stützt: Gemeinsam schöne Momente erleben, sich austauschen, unterwegs sein oder zusammen etwas bewirken. All das macht uns glücklich und hält gleichzeitig unseren Geist beweglich.


Familie, Freundschaften und flüchtige Bekanntschaften

Wir alle haben das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Nähe und Unterstützung. Diesen Wunsch können wir auf ganz unterschiedliche Arten erfüllen. Jede Person bestimmt für sich selbst, wie häufig sie welche Menschen treffen will. Es lohnt sich, Beziehungen zu Familienmitgliedern und langjährigen Freund/innen zu pflegen. Es ist auch bereichernd, neue und möglicherweise unverbindliche Kontakte zu knüpfen, zum Beispiel in einem Verein, im Seniorentreff oder in der Bücherei.


Kontakte auffrischen

Überlegen Sie sich, welche alten Bekanntschaften von früher Sie auffrischen möchten. Schreiben Sie einen Brief an eine frühere Schulfreundin oder senden Sie einem ehemaligen Arbeitskollegen eine E-Mail mit einem Buch- oder Filmtipp. Vielleicht haben Sie auch Lust, ein Treffen bei Kaffee und Kuchen zu organisieren oder einen gemeinsamen Ausflug zu planen. Mit einem Videoanruf können Sie sich auch digital von zu Hause aus treffen und austauschen.


Neue Aufgaben mit Gleichgesinnten

Gehen Sie den eigenen Vorlieben, Fähigkeiten und Interessen nach. Dabei finden Sie oft Gleichgesinnte und lernen neue Menschen kennen. Viele Einrichtungen bieten Gruppenkurse, Ausflüge und gesellige Anlässe an. Wie wäre es mit einem Ehrenamt? Es bietet viele Möglichkeiten, um eigene Fähigkeiten und Lebenserfahrungen sinnvoll einzubringen: Sport, Kultur, Handwerk, Politik, Tierschutz oder soziales Engagement. Auf neue Gruppen und unbekannte Menschen zuzugehen, erfordert anfänglich etwas Mut. Die damit verbundene Freude und Bereicherung belohnen uns jedoch reichlich.

TIPP

Vielleicht kennen Sie jemanden, der ein Hobby ausübt, das Sie auch interessiert? Sprechen Sie die Person an, ob Sie einmal mitgehen oder mitmachen können.

Geistige Aktivität

03.11.2021

Wie kann ich mich selbst fordern?


Gehirn trainieren

Neues zu lernen und Kreativität auszuleben ist auch im Alter gut möglich. Beides hält unser Gehirn und unseren Geist auf Trab. Wer gewohnte Pfade verlässt, aus seiner Komfortzone heraustritt und dabei neue Dinge ausprobiert, trainiert aktiv das Gehirn. Der Geist bleibt wach und vital.

Tun Sie nur das, was Ihnen Freude bereitet und zu Ihnen passt

TIPP

Ein gutes Training ist zum Beispiel Rätsellösen, Nachhilfeunterricht für Schulkinder, Sprachenlernen oder Theaterspielen.


Kreativ sein

Es gibt unzählige Arten, etwas zu erschaffen und zu gestalten: Musik machen, Singen, Tanzen, Malen, Schreiben, Kochen, Gärtnern, Werken usw. Solche Tätigkeiten lassen einen die Zeit vergessen und helfen, Gedanken und Gefühle auszudrücken, die wir nicht so leicht in Worte fassen können. Sie bereiten ohne Leistungsdruck einfach Freude. Und: Freude zu empfinden, macht uns stark.

TIPP

Viele Kurse werden mittlerweile im Internet angeboten. So gibt es beispielsweise zahlreiche Online-Angebote für Musik- oder Malunterricht.


Neues lernen

Das Rentenalter bringt mehr Freizeit und bietet Ihnen die Chance, sich mit eigenen Fähigkeiten und Interessen zu beschäftigen. Jetzt haben Sie genügend Zeit, um ohne Druck etwas Neues zu lernen. Sie finden sicher etwas, das zu Ihnen passt: die eigenen Kochkünste verfeinern, Schneidern, Gemüseanzucht oder mehr über Geschichte oder Physik erfahren, sind nur einige Ideen. Nutzen Sie für Ihre Suche die zahlreichen Möglichkeiten, die das Internet bietet. Wenn Sie sich mit neuer Technik unsicher fühlen, holen Sie sich Unterstützung.

TIPP

Besuchen Sie einen Computerkurs oder lassen Sie sich von jemandem im privaten Umfeld helfen. Lassen Sie sich erklären, wie Sie ein Smartphone oder einen Computer benutzen.

Über Probleme reden

03.11.2021

Wen kann ich bei Problemen um Rat bitten?


Reden und um Hilfe bitten

Es entlastet, mit jemandem über Herausforderungen und Schwierigkeiten zu sprechen. Gespräche helfen, die Dinge einzuordnen und im Austausch können Lösungen gefunden werden. Es tut gut, wenn jemand zuhört und Anteil nimmt. Doch manchmal fällt es uns schwer, um Hilfe zu bitten oder über Probleme zu reden.


Mut und Stärke

Über Probleme zu reden und nach Unterstützung zu fragen, erfordert etwas Mut. Befürchten Sie, abgelehnt zu werden? Oder denken Sie, dadurch jemandem etwas „schuldig“ zu sein? Springen Sie über Ihren Schatten: sich jemandem anzuvertrauen ist wichtig und ein Zeichen der Stärke.


Füreinander da sein

Sich zu unterstützen und füreinander da zu sein, stärkt eine Beziehung und gibt Sinn im Leben. Unterstützung anzunehmen ist wichtig – aber auch anderen etwas zu geben, lässt ein gutes Gefühl entstehen und Ihr Gegenüber wird in der Rolle der helfenden Person gestärkt. Wenn Sie merken, dass es jemandem aus Ihrem Umfeld nicht gut geht, haben Sie vielleicht Hemmungen, es anzusprechen. Seien Sie sich gewiss: Angesprochen zu werden oder selbst das Gespräch zu suchen, tut gut und macht Unterstützung und Besserung erst möglich. Wichtig ist, dass Sie die Person ermuntern, darüber zu reden, ohne auf ein Gespräch zu drängen. Zeigen Sie Mitgefühl und Verständnis. Seien Sie jedoch zurückhaltend mit voreiligen Ratschlägen.


Anregungen für ein Gespräch

Über persönliche Probleme und einen erhöhten Alkohol- bzw. Medikamentenkonsum zu reden, ist nicht einfach. Auf dieser Homepage unter der Rubrik "Damit Reden hilft" finden Sie ein interaktives Gesprächstool mit ganz konkreten Anregungen, wie ein Gespräch über Probleme gelingen kann. Suchen Sie selbst eine/n Gesprächspartner/in, um Ihre Nöte anzusprechen? Oder machen Sie sich Sorgen um eine andere Person und sind unsicher, wie Sie das Gespräch anfangen sollen? Für beide Fälle gibt es Anregungen und Ideen.

Psychische Belastungen

03.11.2021

Wer leistet professionelle Unterstützung?

Gespräche mit Familienmitgliedern oder Bekannten helfen manchmal nicht weiter. Wenn psychische Belastungen über längere Zeit anhalten, ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen.


Erkrankungen durch psychische Belastungen

Manchmal werden die Belastungen des Alters zu groß. Dann kann die psychische Gesundheit leiden. Erkrankungen der Seele können jeden treffen und auch erst im Alter auftreten.

Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei älteren Menschen zählen:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Demenz- und Suchterkrankungen

Fast ein Viertel aller älteren Menschen ist von solchen Erkrankungen betroffen.


Behandlung ist möglich

Gute Nachricht: Psychische Erkrankungen sind gut behandelbar. Je früher Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, desto besser ist meist der Behandlungserfolg. Die richtige Behandlung kann Beschwerden lindern oder ganz verschwinden lassen. Häufig helfen auch psychotherapeutische Gespräche weiter. Je nach Belastungsgrad und persönlicher Situation kann eine Kombination mit Medikamenten sinnvoll sein. Daneben gibt es viele weitere Behandlungsmöglichkeiten.


Beschwerden richtig deuten

Um rechtzeitig professionelle Unterstützung und Hilfe anzunehmen, müssen wir die Warnsignale erkennen.

Wichtig zu wissen:

Psychische Erkrankungen, vor allem Depressionen, werden im höheren Alter oft nicht erkannt. Die Gründe hierfür: Die Beschwerden werden als normale Alterserscheinungen gedeutet und zeigen sich häufig auf körperlicher Ebene. Gerade Depressionen sind im Alter gut zu behandeln und die Lebensqualität kann dadurch wieder steigen


Anzeichen ernst nehmen

Wenn Sie sich über längere Zeit niedergeschlagen oder antriebslos fühlen, keine Freude oder Interesse mehr empfinden, den Schlaf oder Appetit verlieren, sprechen Sie Ihre Probleme beim nächsten Arztbesuch an.
Fragen Sie ganz konkret:
„Könnte es sein, dass ich eine Depression oder eine ähnliche psychische Erkrankung habe?“
Nur eine sorgfältige Klärung und Diagnose kann andere Erkrankungen ausschließen und die richtige Behandlung möglich machen. Seelische Erkrankungen sollten durch Fachpersonen aus Psychiatrie oder Psychotherapie behandelt werden.

Wichtig:

Wenn Sie sich nicht ernst genommen fühlen, lohnt es sich, eine zweite Meinung durch eine andere Fachperson einzuholen. Das könnten zum Beispiel Psycholog/innen oder Psychiater/innen der Gerontologie sein, die auf psychische Erkrankungen im Alter spezialisiert sind.

Suchen Sie auch das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn

  • Sie sich zunehmend vergesslich oder verwirrt fühlen,
  • Schwierigkeiten mit der Sprache oder Orientierung haben

und darum im Alltag weniger gut zurechtkommen.

Diese Schwierigkeiten könnten Vorboten einer Demenz sein oder auf eine Depression hinweisen. Auch hier hilft es, wenn Sie in der Arztpraxis ganz konkret sagen: „Ich befürchte, dass ich eine Demenzerkrankung habe. Deshalb würde ich das gerne von einer Fachperson abklären lassen.“

Positive Lebenseinstellung

03.11.2021

Wie betrachte ich Veränderungen?

Älter zu werden bedeutet für jeden Menschen, irgendwann körperlich und geistig schwächer zu werden. Das ist eine große mentale Herausforderung. Eine
positive Lebenseinstellung hilft dabei, diese Herausforderung anzunehmen.


Älterwerden akzeptieren

Beim Älterwerden verändern wir uns körperlich und geistig: Versuchen wir, das Älterwerden und die Veränderungen zu akzeptieren. Dank Ihrer reichen Lebenserfahrung kennen Sie Ihre Stärken und wissen, wie Sie mit Belastungen umgehen können. Sie haben bestimmt erlebt, dass nach einer schwierigen Phase mit Wut und Trauer auch wieder bessere Zeiten kommen. Diese Erkenntnis kann trösten und Sie können gelassener mit Herausforderungen umgehen.


Kraft für Veränderungen

Sich und das Älterwerden mit all seinen Veränderungen und Einschränkungen anzunehmen, kann Entlastung bringen. Es lohnt sich, Dinge in Ihrem Leben zu verändern, auf die Sie Einfluss haben und die Ihnen besonders wichtig sind.
Es geht zum Beispiel darum, die Kraft zu finden,

  • die Endlichkeit des Daseins zu akzeptieren,
  • unerfüllbare Ziele und Wünsche loszulassen sowie
  • zwischenmenschliche Kränkungen zu verzeihen.

Positiv denken

Wenn Sie den Blick nur auf das richten, was alles nicht mehr geht und was Sie im Alter verlieren, sind Frustration und Traurigkeit vorprogrammiert. Verbannen Sie Sätze und Gedanken wie „Das Altern ist eine Zumutung!“ oder „Der Körper baut ab und wir verlieren liebe Menschen um uns herum!“.


Die Perspektive wechseln

Konzentrieren Sie sich auf die Dinge, die weiterhin gelingen oder auf jene, die Sie erst im Alter erreichen. So können Sie sich am Leben erfreuen und Kraft schöpfen. Richten Sie die Aufmerksamkeit eher darauf:

  • „Was ist mir heute gut gelungen?“
  • „Was hat mir Freude gemacht?“
  • „Was habe ich heute Schönes erlebt?“

 

Nutzen Sie die obenstehenden Informationen als Anregung und Anstoß, ihre seelische Gesundheit zu stärken.

Betätigen Sie sich körperlich und geistig und achten Sie auf eine gesunde Ernährung. Zentral sind insbesondere zwischenmenschliche Kontakte und die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Pflegen Sie regelmäßig Ihre Kontakte, um auch im Alter Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu erfahren.